HWS-Syndrom

Der Begriff HWS-Syndrom bedeutet nichts anderes als „Schmerzen in der Halswirbelsäule“, eine eigentliche Diagnose stellt er nicht dar. Dieses Schmerzsyndrom sei jetzt nun nachfolgend dargestellt:

Grundsätzlich unterscheiden wir 3 Formen der HWS-Erkrankungen.

Lokales HWS-SyndromEs handelt sich hier um ein lokales Schmerzgeschehen in der HWS. Die Ursache der Beschwerden liegt in der HWS selbst, eine Ausstrahlung in die Arme liegt nicht vor.
Radikuläres HWS-SyndromHier (radix bedeutet auf deutsch Wurzel) strahlen die Schmerzen der HWS in einen oder beide Arme aus, sind scharf begrenzt und durch eine Kompression der aus dem HWS-Rückenmark abgehenden Nervenwurzel bedingt.
Pseudoradikuläres HWS-SyndromÄhnlich wie bei dem radikulären Syndrom strahlen die Beschwerden von der HWS in einen oder beide Arme aus, die Lokalisation der Schmerzen ist jedoch diffus und unscharf begrenzt. Die Beschwerden sind nicht durch eine Kompression einer Nervenwurzel bedingt, daher „pseudo“-radikulär.

Diagnostik der HWS-Erkrankungen

An erster Stelle steht hier die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Er überprüft die Gesamtbeweglichkeit der HWS in allen Bewegungsrichtungen sowie die segmentale Beweglichkeit, das heißt die Beweglichkeit zwischen zwei einzelnen Wirbeln. Die Muskulatur wird auf schmerzhafte Verspannungen und druckempfindliche Gewebsveränderungen abgetastet. Es erfolgt eine neurologische Untersuchung der Arme, das heißt es werden Gefühl, Muskelkraft und Muskelreflexe überprüft.

An Röntgendiagnostik erfolgt zunächst die Röntgenaufnahme der HWS in zwei oder mehreren Ebenen, evtl. auch in Kombination mit Funktionsaufnahmen.

Noch ein Wort zum Roentgen …

Bei dem Verdacht auf ein radikuläres Geschehen ist evtl. die Untersuchung durch einen Neurologen erforderlich, gegebenenfalls weitergehende Röntgendiagnostik mittels Computertomographie oder Kernspintomographie. Aufgrund dieser Untersuchungen läßt sich dann in aller Regel die Ursache für die Wirbelsäulenbeschwerden finden und einer entsprechenden Behandlung zuführen.

Lokales HWS-Syndrom

Im Vordergrund der Beschwerden stehen hier sogenannte segmentale Störungen, das heißt Bewegungseinschränkung eines Bewegungssegmentes der HWS durch Blockierung von zwischen den einzelnen Wirbeln gelegenen Wirbelgelenken. Diese sogenannten Blockierungen (ausgerenkter Wirbel) können zum einen zu lokalen HWS-Schmerzen führen, meist ist die Beweglichkeit in einer Bewegungsrichtung eingeschränkt, es bestehen schmerzhafte Muskelverspannungen. Bei Störungen der oberen HWS können zusätzlich Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Kribbelmißempfindungen der Kopfhaut, Schluckstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus) bestehen. Bei Blockierungen der unteren HWS bzw. oberen BWS können dumpfe, unscharf zu beschreibende und lokalisierende Schmerzen im Bereich der Arme bis zu den Händen, Kribbelmißempfindungen aller Finger und Kältegefühl bestehen (pseudoradikuläres Syndrom).

Therapie des lokalen HWS-Syndroms

Durch eine manualtherapeutische Behandlung der HWS werden die segmentalen Bewegungsstörungen beseitigt und eventuell zusätzlich Anwendungen oder Krankengymnastik sowie bei starken Schmerzen Spritzen verordnet.

Therapie des HWS-Syndroms allgemein

Degeneratives, lokales HWS-Syndrom

Im Laufe des Lebens, oft auch durch Wirbelbrüche bedingt, kommt es zu einer Abnutzung der Bandscheiben und der Wirbelgelenke, welche wie alle Gelenke des Körpers entsprechende Schmerzen verursachen können. Hier ist auf der Bewegungsebene die Beweglichkeit in allen Richtungen weitgehend gleich eingeschränkt, ansonsten bestehen auch hier druckschmerzhafte Muskelverhärtungen. Die Behandlung besteht hier aus stabilisierender Krankengymnastik, Extension (Streckbehandlung), physikalischen Anwendungenen zur Reduktion der schmerzhaften Muskelverspannung, lokale Infiltrationen, sowie Gabe von muskelentspannenden Medikamenten.

Instabile Wirbelsäulensegmente

Aufgrund einer Bandscheibenschädigung und Zusammensintern der Zwischenwirbelräume, kann es zu einer Instabilität eines Wirbelsäulensegmentes kommen, was ebenfalls zu lokalen HWS-Beschwerden, ähnlich wie bei dem degenerativen HWS-Syndrom führt.

Therapie des HWS-Syndroms allgemein

Radikuläres HWS-Syndrom

Hier bestehen zwar Schmerzen in der HWS selbst, jedoch ist in den meisten Fällen der Schmerz im Schulter- und Armbereich wesentlich stärker ausgeprägt, das Schmerzband ist scharf umschrieben und den einzelnen erkrankten Nervenwurzeln zuzuordnen. Hauptursache eines radikulären Syndromes ist ein Bandscheibenvorfall, das heißt eine Vorwölbung einer Bandscheibe, meist zwischen dem sechsten und siebten Halswirbel mit Kompression der entsprechenden Nervenwurzel und dadurch ausgelösten Schmerz im Versorgungsbereich der entsprechenden Nervenwurzel. Oft bestehen zusätzlich im Versorgungsbereich der befallenen Nervenwurzel Taubheitsgefühl, Kribbeln sowie Schwäche oder Lähmung der durch den Nerv versorgten Armmuskulatur. Eine insbesondere beim höheren Lebensalter häufige Ursache ist die Kompression einer Nervenwurzel an der Austrittsstelle zwischen zwei Halswirbeln durch Knochenneubildung im Rahmen eines Verschleißes, insbesondere der kleinen Wirbelgelenke, welche ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall auf den Nerv drücken können. Die Beschwerden sind hier ähnlich wie beim Bandscheibenvorfall.

Therapie des HWS-Syndroms allgemein

Pseudoradikuläres Syndrom

Hier bestehen überwiegend im Bereich der HWS Beschwerden, jedoch auch diffuse Beschwerden einer oder beider Arme. Häufig finden sich hier segmentale Funktionsstörungen im Bereich der unteren HWS und oberen BWS, röntgenologisch meist keine wesentlichen Abnutzungserscheinungen. Die neurologische Untersuchung der Extremitäten ist regelrecht, insbesondere besteht kein objektivierbares Taubheitsgefühl, die Muskeleigenreflexe sind seitengleich, Lähmungen bestehen nicht.

Die oben beschriebenen Erkrankungen stellen etwa achtzig Prozent der HWS-Beschwerden dar. Seltene andere Erkrankungen auf orthopädischem Gebiet sind Knochentumore der HWS, Instabilitäten aufgrund von rheumatischen Erkrankungen, Norm-Anomalien – so zum Beispiel zusammengewachsene Wirbel – und Randwulstbildungen aufgrund von Arthroseveränderungen mit Irritation der die Wirbel verbindenden Bänder.

Primär neurologische Erkankungen sind Entzündungen der Nervenwurzeln, Herpes zoster vom Rückenmark oder von den Nervenwurzeln ausgehende Tumore Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn).

Therapie

Da bei fast allen orthopädischen Ursachen von HWS-Erkrankungen die schmerzhaft verspannte Muskulatur im Vordergrund steht, beginnt hier auch jede Therapie:

Durch physikalische Maßnahmen wie manuelle Massagen, Reizstrombehandlung oder Stangerbäder kann die schmerzhaft verspannte Muskulatur gelockert werden, dadurch kommt es zu einer besseren Durchblutung, die abgelagerten Stoffwechselschlacken können abgebaut werden, die Muskelspannung und damit auch die Schmerzhaftigkeit nimmt ab. Bei heftigen Beschwerden können unter anderem auch lokale Injektionen in die verspannten Muskelareale, Quaddelungen der Haut im Sinne einer therapeutischen Lokalanästhesie oder auch intraarticuläre Gabe von schmerzlindernden und entzündungshemmenden sowie entspannenden Medikamenten durchgeführt werden. Zusätzlich werden auch häufig muskelentspannende Medikamente, Schmerzmittel sowie entzündungshemmende Präparate als Tabletten oder Zäpfchen verabreicht.

Unter Umständen kann eine Extensionsbehandlung (Streckbehandlung) der HWS entweder im Schlingentisch, im Sinne von Extensionsmassagen oder durch spezielle Geräte eine Linderung der Beschwerden herbeiführen. Falls der Arzt eine segmentale Funktionsstörung, das heißt Blockierung eines Segmentes feststellt, kann dies durch eine vorsichtige Chirotherapie (Manuelle Therapie) erfolgen. Dies sollte jedoch gerade an der HWS nur durch den speziell ausgebildeten Arzt erfolgen. Dies erkennen Sie durch die Zusatzbezeichnung Chirotherapie auf dem Arztschild. Die Behandlung bei Bandscheibenvorfällen ist, mit Ausnahme von akuten Lähmungen, zunächst einmal konservativ, wie oben aufgeführt. Erst bei starken, auf konservative Maßnahmen nicht ansprechenden Schmerzen ist evtentuell eine Bandscheibenoperation mit Versteifung des betroffenen Wirbelsäulensegmentes erforderlich.

Noch ein Wort zum Röntgen

Falls bei Ihnen eine manualtherapeutische Behandlung (Chirotherapie der HWS) durchgeführt werden soll, ist vorher unabdingbar ein Röntgenbild der HWS anzufertigen, bzw. sollte dem Arzt ein nicht älter als ein Jahr altes Röntgenbild der HWS vorliegen.

Oft werden Abnutzungserscheinungen der HWS überbewertet. Anhand von großen Studien konnte nachgewiesen werden, daß im Röntgenbild nachgewiesene Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben und der Wirbelgelenke nicht mit den Beschwerden der Patienten sondern lediglich mit seinem Alter korrelieren. Das heißt, es gibt viele Patienten die starke Beschwerden haben ohne das im Röntgenbild oder auch in der Computertomographie oder Kernspintomographie krankhafte Verändungen festzustellen wären. Auf der anderen Seite haben viele alte Menschen eine schmerzlose Einsteifung der HWS als normaler Alterungsprozeß des Körpers, hier finden sich im Röntgenbild erhebliche Abnutzungen, ohne das jedoch hier Beschwerden vorliegen müssen. Ob eine festgestellte Veränderung im Röntgenbild oder in den anderen bildgebenden Verfahren wie Computertomographie für die Beschwerden verantwortlich ist, kann nur in Kombination mit einer körperlichen Untersuchung eines in der Wirbelsäulendiagnostik erfahrenen Arztes geschehen.

Die Indikation zur Durchführung einer Computertomographie ist der Verdacht auf ein radikuläres Geschehen, d. h. ein Bandscheibenvorfall oder eine anderweitige Kompression einer Nervenwurzel bei in den Arm ausstrahlenden Schmerzen. Stimmen körperlicher Befund, subjektive Beschwerden und Computertomographiebefund überein, so ist die festgestellte Veränderung als Ursache anzusehen. Jedoch gibt es auch viele Patienten, bei welchen im CT ein Bandscheibenvorfall festgestellt worden ist, ohne dass irgendwelche Beschwerden vorliegen. Das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalles im CT hat noch keinerlei Bedeutung für die subjektiven Beschwerden des Patienten.