Innengedrehtes Gehen

„Mein Gott! Wie läuft denn dein Kind …?“

Wir können Sie beruhigen: Natura sanat (die Natur heilt).

Das Einwärtslaufen der Kinder zerrt an den Nerven der Eltern. Rund dreißig Prozent des Nachwuchses sind hiervon betroffen.

Beim Kleinkind lässt sich die Hüfte normalerweise mehr auswärts als einwärts drehen Dies vermindert sich stetig bis zum dritten Lebensjahr. Dann überwiegt meist die Innendrehung.

Zwischen dem zehnten Lebensjahr und dem Wachstumsende kommt es meist wieder zu einer vermehrten Hüftaußendrehung.

Ursache hierfür sind Drehungen im Bereich der Wachstumsfugen des Oberschenkelknochens. Der Unterschenkelknochen dreht den Fuß vom Kleinkindes- bis zum Jugendalter kontinuierlich um etwa zwanzig Grad nach außen. Werte zwischen null und vierzig Grad Fußaußendrehung sind mit einer normalen Funktion vereinbar. Die Drehungen in den Wachstumsfugen aller Knochen sind trotz starker Unterschiede der Winkelwerte und der zeitlichen Abfolge präzise aufeinander abgestimmt.

Die Ursache des Einwärtsgehens liegt zwischen Fuß und Hüfte. Das Finden der Hauptursache bereitet im Einzellfall durchaus Kopfzerbrechen. Die oben geschilderte Entwicklung der Knochenform verläuft von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.

Der Anteil der einzelnen Wachstumsfugen am Problem des Einwärtsgehens wird unterschiedlich bewertet. Meist werden Verzögerungen der Hüftdrehung vorliegen. Sichelfüße und Innendrehungen der Sprunggelenke kommen ebenfalls vor.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen kommt es zu einer spontanen Normalisierung bis zum 17. Lebensjahr.

Unter der früher üblichen Schienentherapie vermindert sich die Innendrehung einwärtsgehender Kinder langsamer als beim Spontanverlauf ohne Behandlung.

Schuhzurichtungen haben keinen Effekt auf die Innendrehung, ein begleitender Knick-Senkfuß sollte jedoch behandelt werden.

Ein operatives Vorgehen („Derotationsosteotomie“) ist ohnehin abzulehnen.

Kinder zum Schneidersitz oder sonstigen unbequemen Haltungen zu veranlassen führt oft lediglich zu Elternfrust, ist aber einen Versuch wert.

Das „Happy end“ ist beim Einwärtslaufen vorprogrammiert. Mit leichtem Schaudern denkt man noch an heroische operationswütige Zeiten, als man glaubte, durch Derotationseingriffe an den Beinen der Natur nachhelfen zu müssen.

Nach aktuellem Kenntnisstand ist es ausreichend die genervten Eltern zu beruhigen und die Kinderbeine in Ruhe zu lassen. Die Natur findet ungestört am besten den richtigen Dreh.