Kreuzbandruptur – was nun?

Das vordere Kreuzband ist ein cirka zwei Zentimeter langes und weniger als kleinfingerdickes Faserbündel, welches sich im Knie vom Schienbeinkopf zum Oberschenkel zieht. Es stellt mit dem hinteren Kreuzband den zentralen Stabilisator dar und ist für die Roll-Gleitbewegung des Kniegelenkes verantwortlich. Kreuzbandrisse treten meist durch Verdrehungen des Knies bei feststehendem Fuß auf, insbesondere beim Fußball, Handball und Skifahren.

Durch den Verlust des vorderen Kreuzbandes kommt es insbesondere bei unbewussten, muskulär nicht kontrollierten Bewegungen zum typischen Wegknicken mit „Herausrutschen“ des Unterschenkels, was sich durch spezielle Tests bei der körperlichen Untersuchung nachvollziehen lässt. Wiederholtes Wegknicken führt im Laufe der Zeit zur Auslockerung des Kapselbandapparates und damit zu einer komplexen Knieinstabilität. Zusätzlich können Meniskusrisse und Knorpelschäden an den Oberschenkelrollen entstehen. Um diese Folgeschäden zu vermeiden, ist bei subjektivem Instabilitätsgefühl und objektiven Instabilitätszeichen die Indikation zur vorderen Kreuzbandersatzplastik gegeben.

Arthoskopisches Bild einer frischen vorderen Kreuzbandverletzung

Bild einer alten Kreuzbandverletzung mit eingerollten Stümpfen

Operativer Kreuzbandersatz

Während bis vor einigen Jahren große Schnitte am Kniegelenk gemacht werden mussten, um eine Ersatzoperation des vorderen Kreuzbandes durchzuführen, genügt jetzt neben den kleinen Einstichen zur Arthroskopie ein etwa drei Zentimeter großer Schnitt am Schienbeinkopf, um die gesamte Ersatzoperation durchführen zu können. Ermöglichst hat dies ein kleiner „Wunderknopf“, der aus Amerika kommt und dort als Endobutton, also als innerer Knopf bezeichnet wird.

Durch den kleinen Schnitt am Schienbeinkopf wird eine Adduktorenmuskel-Sehne (Semiteninosus) unter der Haut mit einem speziellen Instrument gewonnen. Diese etwa dreißig Zentimeter lange Sehne wird dann vierfach aufeinandergelegt, wodurch die cirka ein Zentimeter dicke und sieben bis acht Zentimeter lange Ersatzsehne für das Kreuzband entsteht. Während früher diese Sehne durch einen Schnitt an der Außenseite des Kniegelenkes verankert werden musste, wird sie jetzt mit Hilfe des Endobuttons im Oberschenkelknochen nach dem Prinzip eines Kippdübels verankert.

Endobutton

Der Endobuttonknopf wird längs durch die Öffnung des Knochenkanals gebracht, gekippt und dann zurückgezogen. Er legt sich nun wie ein Balken auf die schmale Öffnung des Bohrkanals, so dass daraus eine stabile Verankerung des vorderen Kreuzband-Ersatzes entsteht. Die notwendigen Knochenkanäle im Schienbeinkopf und Oberschenkel werden durch den Schnitt am Schienbeinkopf angelegt, die weiteren Reparaturen „im Knie“ werden durch die beiden Arthroskopiezugänge erledigt. Am Ende der Operation, die etwa 45 Minuten dauert, ist das vordere Kreuzband durch einen Sehnenanteil des Oberschenkels ersetzt, zurück bleiben zwei kleine Einstiche nach Arthroskopie, sowie die drei Zentimter lange Wunde an der Schienbeininnenseite zur Entnahme des Kreuzbandes. Da die Ersatzsehne im Knochenkanal erst einwachsen muss, was etwa zehn bis zwölf Wochen dauert, muss bei voller Belastung für cirka zehn Wochen eine stabilisierende Knieschiene (Donjoy-Orthese) getragen werden. Diese Schiene kann nachts zum Schlafen und zur krankengymnastischen Behandlung abgenommen werden.

Schema der eingesetzten Kreuzband-Ersatzsehne

Arthroskopisches Bild des vorderen Kreuzbandersatzes mit der Semitendinosussehne

Kurzübersicht der Nachbehandlung

  1. Belastung: Wenn nach der Operation die Schwellung des Gelenkes abgenommen hat und eine weitgehend volle Streckung besteht, kann mit der Knieschiene (Orthese) üblicherweise nach der ersten bis zweiten postoperativen Woche mit zunehmender Belastung begonnen werden; Vollbelastung ohne Gehstützen ab der zweiten postoperativen Woche. Ausnahmen bestehen bei Begleitschäden an Innen- und Außenband bzw. angefrischten Knorpelschäden sowie Meniskusnähten.
  2. Radfahren:
    • Heimtrainer: Bei reizlosem Kniegelenk kann nach etwa zwei bis drei Wochen mit dem Fahren auf dem Heimtrainer begonnen werden.
    • Radfahren im Freien: Wegen der Verletzungsgefahr sollte hier erst drei Monate postoperativ mit dem Radfahren begonnen werden.
  3. Tragen der Orthese: Für zehn bis zwölf Wochen tagsüber bei Belastung des Kniegelenkes, keine Belastung des Knies ohne Orthese!
  4. Krankengymnastik: Beginn der Krankengymnastik im Krankenhaus, Weiterführung ambulant sofort nach Entlassung bis zum vollständigen Muskelaufbau und zur vollen Beweglichkeit.
  5. Schwimmen: Schwimmen nach zehn Wochen, Bewegungsbad und vorsichtiges „Aquajogging“ nach Abheilung der Wunden nach zwei bis drei Wochen.
  6. Muskelaufbautraining (Krafttraining): Muskeltraining mit der Beinpresse ist nach sechs Wochen postoperativ möglich. Der Beincurl darf wegen der auf das vordere Kreuzband einwirkende Scherkräfte frühestens drei Monate postoperativ durchgeführt werden, bei speziellem isokinetischem Trainingsgerät mit Rückhaltevorrichtung am Schienbeinkopf vier Wochen früher.
  7. Sportbeginn: Mit Lauftraining sollte man frühestens nach vier bis fünf Monaten bei seitengleich ausgebildeter Oberschenkelmuskulatur beginnen. Kontaktsportarten (insbesondere Fußball) mit erhöhtem Verletzungsrisiko sollten frühestens neun Monate postoperativ durchgeführt werden. Zuvor sollte das Knie von uns oder einem erfahrenen Orthopäden geröntgt und untersucht werden.
  8. Metallentfernung: Der kleine Metallknopf (Endobutton) am Oberschenkel wird sicherlich keine Probleme machen und sollte belassen werden. Da die Weichteile am Schienbeinkopf meist sehr dünn sind und beim Sport eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht, sollte die Schraube bei entsprechenden Beschwerden entfernt werden. Dies kann jedoch problemlos ambulant nach frühestens fünf Monaten durchgeführt werden.