Die Bindegewebsmassage – Manuelle reflektorische Therapie

Wer fühlt sich nicht von den Erfolg versprechenden Möglichkeiten der Reflexzonenmassage angezogen?

Die Begründerin der Bindegewebsmassage, die Krankengymnastin Frau Elisabeth Dicke (1885-1952), findet ihre erste Anwendung im Rahmen einer eigenen schweren Erkrankung.

Es handelt sich um eine bereits ziemlich fortgeschrittene Durchblutungsstörung des rechten Beines – sie leidet unter Schmerzen in der Kreuzbeingegend und im Beckenbereich und will sich an diesem Ort mit der eigenen Hand Erleichterung verschaffen.

Sie findet abweichende Spannungsverhältnisse im Bereich der Haut und Unterhaut im peripheren Bindegewebe (!) und versucht daraufhin, trotz der vorhandenen Überempfindlichkeit dieser Hautgebiete, mit streichendem und ziehendem Finger die erhöhten Spannungen auszugleichen und diese Infiltrate, wie sie zunächst deutet, zu verteilen und zum Abfluss zu bringen.

Das positive Ergebnis dieser Selbstversuche, deren Wurzel eigentlich einem fast instinktiv zu nennenden, unmittelbaren Körperbedürfnis entspricht, ist einzigartig genug.

Denn nicht nur die Kreuz- und Rückenschmerzen klingen ab und machen an der gleichen Stelle einer starken, anhaltenden Wärmeempfindung Platz, vielmehr greifen dann diese Auswirkungen auch auf das erkrankte Bein über!

Die drohende Amputation erübrigt sich, nach annähernd 8 Monaten kann sie wieder ihren Beruf voll ausüben.

Je nachdem, an welchen Stellen der Körperoberfläche sich solche veränderten Zonen und Maximalpunkte feststellen lassen, entspricht dies bestimmten Funktionsbereichen oder Organen im Inneren des Körpers.

So können sie bis zu einem bestimmten Grad von außen ablesen, wo es innen nicht stimmt.

Definition der Bindegewebsmassage

Die Bindegewebsmassage ist eine ganzheitliche, manuelle Behandlungsweise, die die Einzigartigkeit des Individuums und seiner lokalen und allgemeinen Krankheitssyndrome, sowie vor allem die möglichen Reaktionen jedes Individuums mitberücksichtigt.

Die Technik der Bindegewebsmassage nach Elisabeth Dicke, bietet ein in sich geschlossenes System von Strichführungen und Dehngriffen.

Die charakteristische Technik der Bindegewebsmassage besteht darin, die Haut mittels der Fingerkuppen gegen ihre Unterlage zu verschieben. Man bewegt sich hier nach Möglichkeit mit ziehenden Strichen durch das Gewebe, weil dadurch das Tastvermögen der Finger erhöht wird.

Die unmittelbare Folge der Hautverschiebung ist eine mechanische Beanspruchung des Unterhautbindegewebes. Die einzelne Bindegewebsfaser wird hierbei einer mehr oder weniger starken Dehnung bzw. Zugbeanspruchung unterworfen.

Es ergibt sich bei der Behandlung mit der Bindegewebsmassage der praktische Aspekt, dass zwischen Organismus (Haut, Muskulatur, Knochen, Organ und Gefäßabschnitt) immer eine funktionelle, wechselseitige Abhängigkeit besteht.

Veränderungen bzw. Erkrankungen des Organismus spiegeln sich im Bindegewebe wieder, andersherum projizieren sich Bindegewebsveränderungen auf den gesamten Organismus.

Charakteristisches der BgM

Eine der grundlegenden Haupteigenschaften, die sie von allen anderen Techniken, die mit Reflexzonen arbeiten, wesentlich unterscheidet, ist die behutsame Ausübung von Zug und Druck auf das Haut- Unterhautbindegewebe.

Wirkungen der Bindegewebsmassage

Die Behandlung mit Bindegewebsmassage produziert:

  • eine allgemeine Entspannung
  • eine örtliche Gewebsentspannung: Im Haut- und Unterhautbindegewebe, aber auch im Bereich der Faszien, Sehnen, Bänder und der Muskeln und das allein durch die Behandlung im Bereich des Dermatoms
  • eine reaktive Mehrdurchblutung, deren Maximum ungefähr 20 bis 30 Minuten nach der Behandlung erreicht wird. Die lokale und allgemeine Durchblutung wird im Sinne einer kreislauf-dynamischen Allgemeinregulation entscheidend verbessert.
  • dadurch kommt es zu einer stärkeren Durchspülung und damit zu einer verbesserten Ernährung des Gewebes und der regulativen Beeinflussung der Wasserbindungsbereitschaft.
  • eine Schmerzstillung auch in vom behandelten Bereich entfernten Körperregionen
  • eine natürliche und unterschwellige Stimulation des zerebrospinalen und vegetativen Nervensystems und des gesamten Hormonsystems
  • eine segmentgebundene Reflexwirkung auf die Funktion der inneren Organe (Funktion, Sekretion, Durchblutung)