Kostenlose Entwicklungskontrolle für Säuglinge und Kleinkinder

Neugierde und Bewegungsdrang des Kindes sind der wichtigste Motor für eine selbstständige Entwicklung. Das Kind benötigt dazu vor allem genügend Platz, Anregungen und Zeit, um jeden Entwicklungsschritt solange zu üben, bis es ihn beherrscht.

Oft verleitet Unwissenheit dazu, Kinder hinzusetzen, obwohl ihre Wirbelsäule und die Muskulatur hierfür noch nicht ausreichend entwickelt sind. Genauso werden Wippen, Hopser und das Gehfrei benutzt, die in hohem Maße die gesunde Entwicklung der Kinder gefährden. Viel zu früh werden Kinderfüße in festes Schuhwerk gepackt, obwohl die Füße noch nicht entfaltet sind und das Kind nicht selbständig laufen kann.

Jedes Kind wird zu einem individuellen Zeitpunkt alleine beginnen sich zu drehen, zu robben, zu krabbeln, sich hinzusetzen oder hochzuziehen und zu laufen.

Erst ab diesem Zeitpunkt ist gewährleistet, dass das Gehirn die Muskulatur und das Gleichgewicht so steuert, dass die Wirbelsäule und die Gelenke funktionsgerecht beansprucht werden können.

Um all dies für Sie verständlicher zu machen, geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die normalen Entwicklungsstufen Ihres Kindes.

Entscheidend dabei ist die Qualität und die Reihenfolge der einzelnen Bewegungsphasen.

Von der Geburt bis zum 3./4. Lebensmonat

Bis zu Vollendung des 3./4. Lebensmonats sollte das Kind Folgendes können:

  • stabile Rückenlage (Kopf und Rumpf liegen in der Mitte)
  • Greifen mit beiden Händen in Augenhöhe, mit gestreckt gehaltenen Armen, die Beine sind gebeugt, die Fußsohlen liegen aneinander
  • korrekter Unterarmstütz in Bauchlage, die Wirbelsäule ist vollständig gestreckt, die Hüftgelenke sind gestreckt und die Oberschenkel liegen auf, während der Kopf aktiv gehalten wird

Benutzen Sie Wippen und Kindersitze so selten wie nur möglich. Legen Sie das Kind, wenn es wach ist, häufig auf den Bauch, damit es seine Stützfunktionen entwickeln kann. Es wird ihm anfangs nicht besonders gefallen, Sie geben Ihrem Kind aber damit die Chance es zu üben.

Wenn Ihr Kind die Erfahrung macht, dass es bei jedem Protestieren auf den Arm genommen wird, so wird es sich dies merken und damit um die Chance gebracht, seine Muskelatur zu trainieren, Bewegungserfahrungen zu sammeln und selbständiger zu werden.

Kinder, die lernen, sich alleine immer mehr und zweckmäßiger (spielend) zu bewegen, werden auch zufriedener sein!

4. bis ca. 6./7. Lebensmonat

  • Gewichtsverlagerung in der Bauchlage auf einen Unterarm; der andere Arm wird dadurch frei zum Spielen
  • das Kind beginnt in Bauchlage, sich um die eigene Achse zu drehen
  • es beginnt sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen
  • „Kullern“

Dabei sollte es die rechte und die linke Körperseite gleichermaßen benutzen. In diesem Lebensabschnitt wird die Wirbelsäule in alle Bewegungsrichtungen mobilisiert und die Bewegung von Armen, Beinen und Rumpf werden besser aufeinander abgestimmt. Dies ist die Grundvoraussetzung für eine eigenständige Fortbewegung, die in den nächsten Entwicklungsstufen folgen wird. Legen Sie es weiterhin häufig auf den Bauch!

Die Motivation ist die Neugierde des Kindes. Es bewegt sich, weil es etwas erreichen will. Dabei wird die Organisation und die Koordination beider Gehirnhälften gefördert. Zu diesem Zeitpunkt ist es meist schwierig, die Geduld aufzubringen, Ihr Kind nicht hinzusetzen!

6. bis 9./10. Lebensmonat

  • Robben
  • Krabbeln
  • das Kind setzt sich alleine hin

Robben ist die erste eigenständige Vorwärtsbewegung des Kindes. Darauf baut das Krabbeln auf. Jedes Kind wird krabbeln, wenn man es lässt

Krabbeln ist von großer Bedeutung – auch über das Laufalter hinaus, denn

  • die Gelenke und die Wirbelsäule werden auf die Belastung in der Senkrechten vorbereitet
  • das Gleichgewicht und die Koordination werden als Voraussetzung für das Laufen geschult

Jetzt wird das Kind in der Lage sein, sich alleine hinzusetzen. Freuen Sie sich also, wenn Ihr Kind möglichst lange krabbelt!

9. bis etwa 12. Lebensmonat

  • Hochziehen in den Stand und selbständiges Zurückkommen auf den Boden
  • seitliches Entlanglaufen an den Möbeln

Versuchen Sie abzuwarten, bis Ihr Kind sich alleine in den Strand hochzieht! Die Versuchung ist groß, es an den Händen zu halten und es zum Laufen zu bewegen. Keinem Kind muß das Laufen beigebracht werden, denn wenn das Gehirn die Ausreifung erreicht hat (Kontrolle aller nötigen Funktionen), wird es dies von selbst tun!

12. bis etwa 15. Lebensmonat

  • Standsicherheit, beide Fußsohlen stehen plan auf dem Boden
  • wenn das Gleichgewicht gut genug geschult ist, wird das Kind selbständig beginnen zu laufen

Dies ist der richtige Zeitpunkt Schuhe zu kaufen: Ihr Kind braucht keine „Lauflernschuhe“!

Die im vorliegenden Text aufgeführten Informationen sollen Ihnen als Anhaltspunkte dienen.

Sie erfassen keinesfalls die Gesamtentwicklung Ihres Kindes. Lassen Sie sich nicht durch die Vielfalt an Meinungen und Ratschlägen verunsichern. Verlassen Sie sich vielmehr – als aufmerksame Eltern – auf Ihr eigenes gutes Gespür.

Bemerken Sie an der Entwicklung Ihres Kindes Auffälligkeiten, wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt. Er wird Sie, falls erforderlich, zu einer Krankengymnastin überweisen, die die dafür notwendige Spezialausbildung besitzt.